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9. Dezember 2016

'Dorotea ... amore mio!' von Monica Bellini

Dorotea Cremonini, 32, pflichtbewusste Geschäftsfrau aus Florenz, hat alles, was sich eine Frau wünschen kann – die Liebe ihres Ehemanns Fabio inklusive. Glaubt sie, bis sie eines Abends unerwartet nach Hause kommt und ihr Vertrauen in Liebe und Treue mit einem Mal zerbricht.

Aufgewühlt verliert sich die enttäuschte Frau in den Armen des attraktiven Gitarristen Patrizio De André. Dorotea gerät in einen Sturm der Gefühle, wie sie ihn noch nie erlebt hat. Doch sind die berauschenden Worte der romantischen Ballade wahr, die Patrizio für sie singt?

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Leseprobe:
Aus der Nähe betrachtet, mit den geröteten Wangen und dem herzförmigen Mund, war sie von einer irritierenden Schönheit. Keine unnötigen Farbflecken beschwerten ihre Augenlider und ihre ungeschminkten Lippen waren von einem Rot, das in ihm den Wunsch auslöste, sich vorzubeugen, und von ihnen zu kosten. Wie von einem Magneten angezogen näherte er sein Gesicht dem ihren – aber statt ihrer Lippen auf den seinen spürte er prompt den Abdruck ihrer Hand auf seiner Wange. Er zuckte zurück, richtete sich zu seiner vollen Körpergröße auf und murmelte »mi scusi«, während er nach seinem Glas griff und damit den Rückzug antrat. Ohne sich noch einmal umzusehen, drängte er sich eilig zum Ausgang durch, ohne auf die Menschen zu achten, die ihn ansprachen.
Dorotea starrte ihm nach. Dieser ungehobelte Flegel ... dieser ungemein attraktive Flegel ... sie konnte das Spiel seiner Muskeln unter dem engen schwarzen Shirt sehen, als er mit dem über den Kopf gehobenem Bierglas dem Ausgang zustrebte. Noch immer spürte sie seinen warmen Arm um ihren Körper, dieses unwahrscheinlich angenehme Prickeln, das seine Berührung in ihr ausgelöst und das sich um ein Vielfaches verstärkt hatte, als er sie angesehen und zu ihr gebeugt hatte. So eine Unverschämtheit! Zuerst hatte er sie beinahe mitsamt dem Hocker umgestoßen und dann auch noch küssen wollen!
»Was für eine miese Anmache«, murmelte sie und wandte sich wieder dem Tresen zu, nur um in das grinsende Gesicht Marilenas zu schauen.
»Da sieh einmal an! Du scheinst das Flirten nach sieben Jahren Ehe doch noch nicht verlernt zu haben.«
Dorotea schnaubte. »Quatsch! Dieser Idiot hat mich mit einem seiner Groupies verwechselt!«
Marilena zog die Augenbrauen hoch.
»Und warum ist er dann nicht dort, mit den anderen Bandmitgliedern?« Sie deutete dorthin, wo eine Gruppe von aufgeregt schnatternden Frauen an den Musikern klebte wie Briefmarken auf Kuverts.
»Woher soll ich das wissen! Außerdem, cara mia, wieso steckst du deine Nase in meine Angelegenheiten? Kümmere dich doch um deine eigenen!«
»Welche?«
»Dein heutiges Opfer.« Dorotea sah sich suchend um. »Wo ist er eigentlich?«
»Wer?«
»Stell dich nicht dümmer als du bist. Der Wuschelkopf!«
»Er hat sich kurz entschuldigt, muss telefonieren. Und er heißt Carlo.«
»Unnötige Information. Morgen erinnerst nicht einmal du dich mehr an seinen Namen«, erwiderte Dorotea prompt, ohne nachzudenken.
Marilena presste die Lippen zusammen, griff nach ihrem Glas und nippte daran. Sie wich ihrem Blick aus. Dorotea ballte eine Hand zur Faust, verfluchte ihre scharfe Zunge, und dachte einen Moment lang, sich bei ihrer Freundin zu entschuldigen. Sie brauchte Harmonie. Fabios Verhalten hatte ihr schon den größten Teil davon geraubt, Marilena war jetzt ihr ruhender Pol. Diejenige, die sie aufgenommen und ihr zugehört hatte – ohne irgendwelche dummen Sprüche zu klopfen. Und obwohl ihre Freundin die Freitagabende grundsätzlich nie in weiblicher Begleitung verbrachte, hatte sie Dorotea hierher geschleppt, damit sie sich ablenkte. Und was tat sie? Anstatt Marilena zu sagen, was sie ihr bedeutete, beleidigte sie sie auch noch! Na ja, an sich hatte sie nur die Wahrheit gesagt, aber vielleicht sollte sie diese Aussage mit irgendeinem lustigen Spruch aus der Welt schaffen. Sie trank einen Schluck und öffnete den Mund, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie in ihrem Vorhaben unterbrach.
Dorotea drehte sich um, und plötzlich war ihr Kopf ganz leer. Sie spürte ein Prickeln in ihrem Bauchraum, das sie seit Jahren nicht mehr gefühlt hatte. Es war, als ob sie sich im freien Fall befände und in einen tiefen Abgrund stürzte. Einen, der sie anzog, ihr die Luft nahm, immer näherkam ... der warme Hauch seines Atems streifte ihr Gesicht, als er sich vorbeugte. Sie konnte das feine Netz der Fältchen an seinen Augenwinkeln sehen, die markanten Gesichtszüge, seinen Mund – und plötzlich wurde der Gedanke daran, dass er ein unverschämter Flegel war, von einem anderen ersetzt. Sie öffnete ihre Lippen, strich mit der Zungenspitze darüber, senkte die Augenlider, wartete auf die Berührung ... und wartete ... und wartete ...
Und dann vernahm sie seine leise, dunkle Stimme.
»Meinen Sie, dass ich riskiere, noch eine Ohrfeige zu bekommen?«
Langsam öffnete sie die Augen, und erkannte seinen spöttisch verzogenen Mund, noch bevor sie seine Hand spürte, die nach ihrer griff und sie so weit anhob, dass seine Lippen sie beinahe berührten. Er zwinkerte ihr zu.
»Lassen Sie uns Ihren Ausrutscher von vorhin vergessen. Ich bin Patrizio De André. Und Sie?« Ihren Ausrutscher? Seinen! Doroteas Augen schossen Blitze in seine Richtung ab, nur wollten sich einfach nicht die richtigen Synapsen verbinden, um eine schlagkräftige Antwort zu finden, als er seine Lippen auf ihren Handrücken senkte. Diese Berührung jagte einen Stromstoß durch ihren Körper und ließ ihn zurückzucken. Der Moment war ebenso rasch vorbei, wie er begonnen hatte. Er neigt den Kopf ein wenig zur Seite und sah sie an, als ob sie ein Sahnebaiser wäre. Eine tiefe Männerstimme dröhnte durchs Lokal »Die Pause ist zu Ende, Musiker auf die Bühne bitte!«
Er sah sie einen Moment lang abwartend an, doch sie sagte nichts. Seine Mundwinkel bebten, als ob er zum Sprechen ansetzen wollte, aber er tat es nicht. Dorotea saß wie erstarrt auf dem Barhocker, mühsam bemüht nicht herunterzurutschen, als die Bandmitglieder erneut gerufen wurden. Er versenkte die Hände in den Taschen seiner Jeans, schüttelte leicht den Kopf, zuckte mit den Achseln und drehte sich um. Er machte einen Schritt Richtung Bühne, einen zweiten, als ihn ihre Stimme erreichte.
»Dorotea, ich heiße Dorotea!«
Patrizio hielt inne, wandte sich um und lächelte sie auf eine Art an, die ihr einen Schauer durch den Körper jagte. Einen Moment lang stand er einfach nur da, bis ihn Rob, der Schlagzeuger, am Arm packte und mit sich zog. Doroteas Blick haftete auf seinem Rücken, dem Oberkörper, der von dem schwarzen, anliegenden Shirt betont wurde. Ihre Kehle wurde eng. Ihre Augen glitten nach unten, über die schmale Körpermitte, die in krassem Gegensatz zu seinen breiten Schultern stand – als er verschwand. Die Menschen, die eine Gasse gebildet hatten, um ihn und seinen Kollegen durchzulassen, formten wieder eine undurchdringliche Mauer.
»Dorotea, ich denke, wir sollten gehen!« Marilena sprach dicht an ihrem Ohr.
»Nein!« Dorotea hielt den Blick weiterhin auf die Stelle geheftet, wo Patrizio verschwunden war.
»Doch! Glaube mir, es ist besser!« Eine Hand legte sich fest um ihren Oberarm. Dorotea schüttelte sie ab, als das Licht im Lokal gedimmt wurde und die Spots auf der Bühne angingen. Ihre Augen folgten dem Scheinwerfer. Sie atmete tief ein, stieß die Luft hörbar aus. Patrizios dunkelblonde Haare kringelten sich im Nacken, das Shirt spannte um seine Brust. Ihre Halsschlagader pochte. Er hatte einen Fuß auf dem Boden, den anderen auf der Querstange des Hochstuhls. Seine linke Hand griff einen Akkord, die rechte lag noch ruhig auf den Saiten, und sie verspürte unbändige Lust, ihren Platz mit der Gitarre zu tauschen. Sie legte ihre Finger auf die linke Brust, spürte den Schlag ihres Herzens.
»Wir müssen gehen!« Marilena zerrte sie vom Hocker, als der erste Akkord erklang.

Im Kindle-Shop: Dorotea ... amore mio!

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



8. Dezember 2016

'Wer Mondstaub sieht' von Eva-Maria Farohi

Amina und Nicolau verbringen alljährlich ihre Sommerferien zusammen auf Mallorca. Irgendwann wird aus der Kinderfreundschaft mehr – doch dann fährt Amina für ein letztes Schuljahr nach Deutschland zurück und kommt nicht mehr wieder.

Jahre später, am fünfundneunzigsten Geburtstag von Nicolaus Großonkel Miguel Ferrer, feiert man ein rauschendes Fest. Auch Amina, die in Miguel einen Großvaterersatz sieht, ist überraschend angereist, nicht zuletzt um mit ihren Jugenderinnerungen abzuschließen, denn Amina plant zu heiraten.

Miguel erkennt, dass sich an Nicolaus Gefühlen für die Jugendfreundin nichts geändert hat, und beginnt, ihm seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen - von Catalina, seiner großen Liebe während der Zeit, als der Krieg auch die Insel erreichte …

Ein Familienepos vor der gewaltigen Kulisse Mallorcas jetzt und während der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs. Eine Geschichte über Verantwortung und Treue – und nicht zuletzt die Geschichte einer Liebe, die alles überwindet.

Gleich lesen: Wer Mondstaub sieht

Leseprobe:
Miguel Ferrer saß auf seinem Lieblingsstuhl unter dem Vordach des steinernen Fincagebäudes, schaukelte und wartete. Worauf, wusste er selbst nicht genau. Doch er ahnte es.
Seit er vor wenigen Monaten seinen fünfundneunzigsten Geburtstag gefeiert hatte, war ihm das Warten zur Gewohnheit geworden.
An jenem besonderen Tag hatten ihm alle gratuliert. Sogar der Bürgermeister, obwohl sie einander nicht besonders gut leiden mochten.
Letzteres war zu einem guten Teil darin begründet, dass der Bürgermeister gegen den Bau der Eisenbahnlinie gestimmt hatte. Das Projekt war inzwischen zwar wegen Geldmangels eingestellt worden, dennoch konnte ihm Miguel dieses Vorgehen nicht verzeihen. Auch wenn er insgeheim wusste, dass er damit nicht ganz richtig lag, gab er dem Bürgermeister die Schuld am Scheitern des Unternehmens.
An seinem Geburtstag war die gesamte Familie erschienen. Zusammen zweihundertsechsundzwanzig Personen, darunter auch mehrere Säuglinge.
Miguel wusste von jedem Einzelnen den Vornamen. Darauf war er stolz.
Das Fest zu seinem Ehrentag hatte ihm, der überhaupt gern feierte, besonders gut gefallen.
Natürlich war Nicolau auch dabei gewesen. Er hatte bereits die Nacht bei Miguel verbracht, weil er wusste, wie gern sein Onkel den Sonnenaufgang von der Terrasse aus beobachtete, und ihm dabei Gesellschaft geleistet.
Nicolau war von jeher der Lieblings-Großneffe gewesen, mehr noch: Er war Miguel so nah wie ein eigener Sohn. Jener Sohn, den er nie hatte haben dürfen.
»Mondlicht ist etwas für die Jungen, in meinem Alter zählen nur noch die Sonnenaufgänge«, pflegte Miguel zu sagen.
Und Nicolau war bei ihm sitzen geblieben. Hatte fürsorglich eine Decke über seine Beine gebreitet – gegen die Kälte, denn immerhin war es bereits Anfang November – und ihnen beiden eine große Tasse mit heißem Kaffee gebracht.
Sie hatten nicht viel gesprochen, während sie gemeinsam beobachteten, wie das helle Licht der Dämmerung die Schatten der Nacht vertrieb, und dann ebenso schweigend dem roten Ball zugesehen, der sich seinen Weg durch die grauen Wolken am Horizont bahnte. Es bedurfte keiner Worte, um einander nahe zu sein. Das Band zwischen ihnen war eng geknüpft und überaus haltbar. Niemandem sonst gewährte Nicolau so tiefe Einblicke in sein Inneres, nicht einmal seinem eigenen Vater.
Schon aus diesem Grund war es für alle Familienmitglieder klar gewesen, dass Nicolau einmal Miguels Erbe sein würde – und damit der Padron über ein Stück Land, das so groß war, dass man seine Grenzen an einem einzigen Tag nur schwer abschreiten konnte. Es war schon immer Familienbesitz gewesen, hieß es. Und Nicolau hatte nie darüber nachgedacht, es war ein Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Einen vom Schicksal vorbestimmten Zeitraum lang würde er der Eigentümer sein dürfen.
Auf dem Papier gehörte es ihm bereits seit Jahren, denn Miguel hatte an seinem neunzigsten Geburtstag darauf bestanden, die erforderlichen Urkunden zu unterzeichnen. Dennoch war nach wie vor Miguel der Padron und würde es auch bleiben, bis zum Tag seines Todes.
Höher und höher stieg die Sonne, wechselte ihre Farbe, wurde leuchtender – bis sie so hell erstrahlte, dass man ihr nicht länger mit den Augen folgen konnte.
Dafür wärmten die Strahlen jetzt die Gesichter der beiden, die nebeneinander auf der Terrasse ausharrten, und füllten alles ringsum mit dem neuen Leben des anbrechenden Tages.
Miguel griff nach Nicolaus Hand, worauf dieser ihm einen überraschten Blick zuwarf. Für gewöhnlich war es nicht Miguels Art, Gefühle in körperlichen Gesten auszudrücken, doch obwohl er sicher sein konnte, dass Nicolau über die Tiefe seiner Zuneigung genau Bescheid wusste, schien er in letzter Zeit besonders bedacht zu sein, daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen.
»Wünsch mir, dass mein letzter Wunsch in Erfüllung geht«, sagte er daher auch jetzt zu Nicolau.
»Ich wünsche es dir«, antwortete Nicolau mit ruhiger Stimme, ehe er versuchte, Miguels Blick einzufangen. »Egal, wie viele es sind, alle deine Wünsche sollen sich erfüllen.«
Miguel schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er, »ich habe nur noch diesen einen Wunsch.«
»Und was genau wünschst du dir?«, fragte Nicolau, während er weiterhin die Hand des alten Mannes in seiner hielt.
Miguel lächelte. Es war ein stilles, beinahe trauriges Lächeln.
Ich möchte, dass du alles bekommst«, sagte er.
Nicolau, der zunächst glaubte, Miguel würde von dem Land und anderen Besitztümern reden, horchte auf.
»Was meinst du damit? Was soll ich denn noch bekommen?«, fragte er, und die Ratlosigkeit, die er empfand, schwang in seiner Stimme mit.
»Alles, was wichtig ist«, sagte Miguel. »Das, worauf es im Leben ankommt.«
Nicolau sah ihn weiter unbeirrt an. Dabei bildete sich zwischen seinen Augenbrauen eine Falte, und Miguel konnte beobachten, wie er anschließend auch noch die Stirn runzelte, ehe sich seine Pupillen plötzlich verengten.
Für den alten, lebenserfahrenen Mann war es nicht schwer, den Augenblick zu erkennen, in dem Nicolau den Sinn hinter den Worten begriff, denn seine Augenlider zuckten ein wenig, ehe der Blick wie von selbst ins Leere ging, um sich an irgendeinem Punkt in der Ferne zu verlieren.
Kurz blitzte etwas wie Schmerz in den dunklen Augen auf, verwandelte sich gleich darauf wieder in den beinahe melancholischen Ausdruck, der Nicolau seit Jahren schon zu eigen war und den man, wenn man ihn nicht so gut kannte, wie Miguel es tat, leicht für eine gewisse Schwerfälligkeit hätte halten können.
Dennoch ging Nicolaus Atem jetzt ein wenig schneller, und die Hand, mit der er sich in das volle schwarze Haar fasste, zitterte.
Einmal mehr stellte Miguel fest, wie ähnlich ihm sein Großneffe war. Genau so hatte er selbst im Alter von achtundzwanzig Jahren ausgesehen: groß gewachsen, mit ebenmäßigen Zügen und einer olivfarbenen straffen Haut – kräftig von Statur, ohne füllig zu sein, mit Muskeln, die von der Arbeit auf dem Land gestählt waren.
Selbst im Charakter waren sie einander ähnlich. Obwohl beide kein Problem damit hatten, sich überall durchzusetzen, waren sie doch empfindsam.
Wie Miguel war Nicolau ein sanfter Mann, und so manche Frau hätte ihn gerne für längere Zeit – wenn nicht gar für immer – behalten, obwohl er stets betonte, an keiner dauerhaften Beziehung interessiert zu sein.
Die Hände in die Hosentaschen vergraben, stand Nicolau jetzt auf und gab vor, der aufgehenden Sonne noch ein wenig zusehen zu wollen.
Längere Zeit sprachen sie beide nichts und Miguel widmete sich seinem Kaffee.
Bis zu dem Moment, als es hupte, und ein rotes Auto inmitten einer Wolke aus staubiger Erde über den Zufahrtsweg bis vor die Terrasse rollte.
Während Nicolau gebannt auf den Wagen starrte, lächelte Miguel still vor sich hin.
Die Tür auf der Fahrerseite öffnete sich, und ein Paar Frauenbeine tauchte auf, in flachen Sandalen mit langen Riemchen, die einander überkreuzend um die gazellenschlanken Fesseln und ebenso schlanken Waden gebunden waren.
Nicolau nahm die Hände aus den Hosentaschen, während er beobachtete, wie den Sandalen zunächst der gerüschte Saum eines weißen Kleides folgte, in dem – wie man gleich darauf zu sehen bekam – der vollendete Körper einer jungen Frau steckte, die sich gerade überaus elegant aus dem winzigen Auto schälte.
Ihre blonden Haare, scheinbar achtlos zu einem Pferdeschwanz gebunden, reichten ihr fast bis zur Hüfte und glänzten wie Gold in der Sonne.
Das Gesicht, so ebenmäßig, dass man es anstarren musste, wurde von dem hellen Augenpaar noch überstrahlt, das mit dem kirschroten Mund um die Wette lachte.
»Miguel«, rief sie. Ihre weißen Zähne blitzten, während sie eine riesengroße achteckige Schachtel balancierte, »Feliz cumple y Molts d’Anys!«
Sie kam die Stufen heraufgestürmt, drückte Nicolau – an dem sie ohne innezuhalten vorbeilief – die Schachtel in die Hände, stürzte auf Miguel zu und warf sich in dessen Arme.
»Alles Gute zum Geburtstag«, redete sie übergangslos weiter, »ich bin so glücklich, dass ich heute bei dir sein kann. Du bist der liebste und beste Mann in meinem ganzen Leben. Und ich wünsche mir, dass du noch viele Jahre in Gesundheit mit uns hier verbringen kannst.«

Im Kindle-Shop: Wer Mondstaub sieht

Mehr über und von Eva-Maria Farohi auf ihrer Website.



7. Dezember 2016

'Die schönste Zeit des Jahres' von J. Vellguth

Eigentlich sollte Weihnachten das Fest der Liebe sein. Für Zoe stimmt das schon lange nicht mehr. Zumindest bis ihr alter Schulfreund auftaucht, mit dem sie eine sehr ... komplizierte Vergangenheit verbindet.

Kann Danny es schaffen, ihr den Glauben an Weihnachten wiederzugeben?

Eine weihnachtliche Geschichte im verschneiten Vermont über Liebe, Freundschaft und den wahren Sinn von Weihnachten.

Bis zum 3. Advent zum Einführungspreis von 99 Cent erhältlich (statt später 2,99 €).

Gleich lesen: Die schönste Zeit des Jahres: Liebesroman

Leseprobe:
Silver Bells in the City
Ihr Atem malte einen feinen Nebelfilm auf die kalte Scheibe des Greyhound Busses. Der Sitz war hart, die Luft warm und es roch muffig. Zoe starrte aus dem Fenster und beobachtete die Menschen draußen auf der Straße.
Dicke, weiße Flocken wirbelten durch den nachtblauen Morgen, folgten der Menge durch die Einkaufspassagen, glühten im orangenen Licht der Schaufenster, hefteten sich an den flauschigen Kunstpelz von hochmodernen Mänteln oder schmolzen auf dem nassglänzenden Rußgrau des Betons.
All diese Menschen steckten gerade mitten in ihrer eigenen kleinen Welt, in der es vermutlich keine größeren Probleme gab, als die Frage Welche Krawatte schenke ich meinem Vater oder Wie viel Geld habe ich noch übrig für das Armband meiner Geliebten.
Was für eine verkehrte Welt.
Die meisten von ihnen waren sich wahrscheinlich nicht einmal darüber bewusst, was dieses Ding, das sie Weihnachten nannten, wirklich war. Nämlich ein schwarzes, gieriges, Gift versprühendes Monster, das jeden zu verschlingen drohte, der es wagte, seinem hungrigen Rachen auch nur zu nahe zu kommen.
Sie schnaubte und der matte Fleck auf der Scheibe vergrößerte sich – verschluckte die Stadt dahinter.
Jetzt konnte sie nichts mehr erkennen. Aber das brauchte sie auch nicht.
Weihnachten in der Stadt war immer das Gleiche. Blechern schepperten Weihnachtslieder durch die Kaufhäuser, quietschrot schrien Sonderangebote in allen Schaufenstern, rostbraun klapperten Blechbüchsen von Wohltätigkeitsvereinen und riefen zu Spenden auf, um dann der Geliebten noch zwei oder drei weitere Diamanten auf dem Armband zu spendieren.
Zu allem Überfluss stand Santa Claus mit Zipfelmütze und brauner Papiertüte in der Hand an jeder Straßenecke und wünschte Hohoho, Fröhliche Weihnachten.
Sie presste die Lippen aufeinander.
Von wegen!
Energisch knuffte sie die rotbraune Jacke unter ihrem Kopf zusammen, um vielleicht ein bisschen Schlaf zu bekommen, während der Greyhound Bus sich im Schneckentempo durch den gigantischen Verkehrsknoten schob und versuchte, New York City hinter sich zu lassen.
»Ma, wann sind wir endlich da?«, hörte sie das Mädchen auf dem Sitz vor ihr fragen.
»Wir sind doch gerade erst losgefahren, Schatz«, antwortete die Mutter.
Eine Stunde lang quälten sie sich bereits durch die Innenstadt. Vorbei an blinkenden Lichtern, Leuchtreklamen und singenden Tannenbäumen in den Schaufenstern. Als ob das Schicksal sie darauf vorbereiten wollte, wie endlos und ermüdend die nächsten Tage für sie werden würden.
Dabei schien die Aussicht auf ein streitreiches Familienchaos ausnahmsweise wesentlich erträglicher als alles, was sie hier in der Stadt erwartete.
Zoe versuchte, nicht an die letzten Tage zu denken, seufzte und schloss die Augen.
Aber die Ruhe hielt nur wenige Sekunden.
»Ist das ein Engel?«, fragte eine helle Stimme.

Im Kindle-Shop: Die schönste Zeit des Jahres: Liebesroman

Mehr über und von J. Vellguth auf ihrer Website.



'Sein anderes Ich' von Janette John

»Man trifft sich im Leben immer zweimal. Vielleicht am Anfang. Vielleicht aber auch am Ende.« Janette John

Was denkst DU?
Wie würde DEIN Leben wohl verlaufen,
ohne das Wissen um DEINE Eltern?

Freiburg im Breisgau 1988. Anlässlich ihrer bevorstehenden Sommerferien feiert eine Gruppe von Teenagern ausgelassen eine Party, während hinter verschlossenen Türen ein fünfzehnjähriges Mädchen brutal vergewaltigt wird. Sie wird schwanger, verschwindet spurlos und taucht ein Jahr später wieder auf.

Konstanz heute. Eine Hitzewelle ergießt sich über die Stadt. Freibäder platzen aus allen Nähten. Eisdielen haben Hochkonjunktur. Doch der Sommer ist trügerisch. In einem abgelegenen Waldstück wird der nackte Körper einer jungen Prostituierten gefunden. Ihr Gesicht ist entstellt und von Maden zerfressen. In den Wochen danach werden in der Nähe des Fundorts zwei weitere Leichen gefunden, wieder sind sie nackt.

Das Konstanzer Kripoteam um Daniel Selzer macht sich an die Aufklärung der Morde, die zwar erschüttern, zunächst aber keine Erwähnung in den Medien finden. Bleibt die Frage, wieso hat sich der Täter so grausam an den Frauen vergangen? Und was hat es mit den Zigarettenrückständen sowie Hundehaaren an den Toten auf sich?

Sein anderes Ich – wenn die Vergangenheit dunkle Schatten wirft.

Alle Bücher der Reihe Kripo Bodensee von Janette John können unabhängig voneinander gelesen werden.

Gleich lesen: Sein anderes Ich (Kripo Bodensee 3)

Leseprobe:
Selzer war ein paar Minuten gelaufen und hatte sich in der Parkanlage des Krankenhauses auf eine Bank gesetzt. Plötzlich packte ihn jemand von hinten an der rechten Schulter und ließ ihn kurz zusammenzucken.
»Danke, dass du gekommen bist«, sagte Selzer dem Mann, der sich kurz danach neben ihn setzte.
»Hätte nicht gedacht, dass wir uns hier wiedersehen würden«, antwortete der andere und schielte zu Selzer. »Du warst damals nach der Sache mit Louisa wie vom Erdboden verschluckt.«
Selzer wirkte unruhig.
»Ja, ich musste aus London weg. Sie hatte sich für dich entschieden. Also was sollte ich da noch?«, fragte Selzer melancholisch. »Und, seid ihr noch zusammen?« Seine Stimme klang herausfordernd.
Der andere entnahm der Tasche seines kurzärmeligen Hemdes eine Zigarettenschachtel und zündete eine Zigarette an. Genießerisch zog er an ihr und antwortete knapp: »Nein.«
Mehr brauchte Selzer nicht zu wissen.
»Also, warum willst du mich sprechen?«, fragte der andere.
Selzer überreichte ihm das Foto von Janine Maurer. »Wer hat das aufgenommen?«
Der Unbekannte nahm es an sich, blickte auf das Bild und zog genüsslich an seiner Zigarette.
»Ich! Ich habe sie fotografiert.«
»Und warum?«
»Das kann ich dir nicht sagen.«
»Wir haben das Foto von einem Verdächtigen erhalten. Wieso hatte ausgerechnet er es, wenn keiner der Presseleute fotografieren durfte?« Selzer starrte den Mann aus dem Augenwinkel an.
»Woher soll ich das wissen?«, echauffierte sich der andere.
»Wenn du meine Ermittlungen behinderst, lasse ich dich verhaften«, meinte Selzer streng.
Dem Fremden schien die Drohung nichts auszumachen, er blieb ruhig und schaute geradeaus ins Leere. »Glaubst du wirklich, ich würde deine Ermittlungen behindern? Wäre ich sonst Rechtsmediziner geworden?«
Selzer konnte dem nichts entgegensetzen und fasste noch einmal nach: »Also, für wen hast du das Foto gemacht?«
»Frag deinen Chef!«
Daniel Selzer drehte sich seitlich zu dem Arzt, der kein anderer war als Ron Hendrick und schaute ihn ungläubig an.
»Du meinst Amans?«
Hendrick nickte, stand auf und ließ seine Zigarette zu Boden fallen. Nachdem er sie mit dem Schuh ausgedrückt hatte, verabschiedete er sich. »Von mir weißt du das nicht.«
Selzer blieb noch eine Weile sitzen und überlegte, wozu Amans das Foto hatte machen lassen und wie es zu Ramon gelangt sein könnte. Gedankenversunken lief er langsam davon.

Im Kindle-Shop: Sein anderes Ich (Kripo Bodensee 3)

Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



6. Dezember 2016

'Urlaub für Anfänger' von Maria Resco

Die neuen Nachbarn bringen es an den Tag: Katrins unerfülltes Dasein an der Seite ihres Gatten Paul. Während die Hollmanns mit Hab und Gut und teuren Reisen protzen, radelt sie mit angezogener Handbremse durch die letzten Jahre ihrer Ehe.

Als Gaby Hollmann ihr zu allem Übel eine Putzstelle anbietet, platzt ihr der Kragen. Der groben Fehleinschätzung ihrer Person muss sie dringend etwas entgegensetzen. Sie erfindet eine exklusive Reise in das ferne Kenia und behauptet – damit der Schwindel nicht auffliegt – einen Tag nach den Nachbarn abzureisen.

Doch auch bei den Hollmann ist nicht alles Gold was glänzt. Warum sind die noch zu Hause? Warum sitzen die nicht längst im Flieger nach Miami? Was haben die Snobs zu verbergen? Einen Plan B hat Katrin nicht auf Lager, also ist jetzt Handeln angesagt, und zwar flott. Ein turbulentes nachbarschaftliches Versteckspiel beginnt.

Gleich lesen: Urlaub für Anfänger

Leseprobe:
»Was kuckst du denn da am helllichten Tag?« Paul wunderte sich, als er vom Garten ins Wohnzimmer spazierte.
»Äh, nix … wieso?«, stotterte Katrin. Warum fühlte sie sich jetzt ertappt? Sie hatte doch nur den Fernseher eingeschaltet, und zwar gerade eben erst. Gleich würde er sie an ihre Vorbildfunktion als Mutter erinnern, weil sie ausnahmsweise mal am Nachmittag vor dem Fernseher saß, wo doch draußen die Sonne schien und im Garten die herrliche Natur wartete – und jede Menge Arbeit.
Aber nichts dergleichen entwich ihm. Aus unerfindlichem Grund hatte er heute gute Laune.
»Shopping-Queen?«, lachte er und stierte belustigt auf den Bildschirm. Ja, sie guckte Shopping-Queen! Na und? Sie fand es interessant. Schon die Idee! Vielleicht sollte sie sich auch mal bewerben. Fünf Hunderter, vier Stunden, ein Motto. Das würde sie hinkriegen. Sie wusste durchaus, was ihr stand. Und das konnte man längst nicht von jeder Kandidatin behaupten. Gespannt haftete Katrins Blick auf dem Bildschirm. Die kauft doch jetzt nicht allen Ernstes dieses viel zu enge Top! Da quillt doch oben alles raus! Das grüne wäre perfekt gewesen. Also wirklich!
»Hey, Mom. Du guckst Shopping-Queen? Willst dich wohl bewerben.« Amüsiert stürmte Lena zusammen mit Pia ins Wohnzimmer.
»Quatsch! Ich habe nur mal …«
»Hey, das wär doch voll lustig. Mom im Fernsehen!«
Verärgert schaltete Katrin den Fernseher aus. War es denn in diesem Haus unmöglich, irgendwas zu tun, ohne gleich durchschaut zu werden?
»Papa hat gesagt, wir dürfen heute Abend Pizza essen und einen Film dabei kucken«, verkündete Pia aufgeregt und kniete sich vor das Regal mit den DVDs.
Mit großen Augen sah Katrin ihren Gatten an. Essen vor dem Fernseher? Das gab es nur bei der Fußball-WM.
»Ja, das habe ich gesagt«, strahlte Paul gönnerhaft. »Und wir beide, Mausi, gehen heute Abend aus. Zieh dir also was Nettes an!«
»Wir gehen aus? Wohin denn?« Katrin blickte ihn argwöhnisch an.
»Lass dir ordentlich Platz im Magen. Mehr wird nicht verraten.«
»Und die Kinder?«
»Alles geregelt.« Ein siegesgewisses Grinsen war auf Pauls Gesicht getreten. »Um acht!«, sagte er, griff sich einen Apfel aus der Obstschale und entschwand wieder in den Garten.
Sprachlos blickte Katrin ihm hinterher. Was war denn nun los? Hatte sie irgendetwas verpasst? Wenn Paul, der Geizhals, sich darüber freute, auswärts essen zu gehen, dann war etwas faul, oberfaul. Mit anderen Worten: Es war äußerste Skepsis angebracht.
»Sag mal, Lena, hat Papa dir gesagt, wohin er mit mir gehen will?«
»Sorry, Mom, wir dürfen nichts verraten. Wir haben es versprochen.«
»Ist eine Überraschung«, erklärte Pia.
»Genau, Mom, jetzt freu dich doch einfach mal!«, ergänzte Lena.
Die Mädchen hatten Recht. Immer dieses Misstrauen. Katrin warf ihre Vorbehalte über Bord. Sie ging in die Küche, räumte beschwingt die Spülmaschine aus und verdrängte all die guten Gründe, die ihren Zweifeln Berechtigung hätten verleihen können. Stattdessen sann sie nach, wohin Paul sie wohl ausführen würde. Sicher zu dem neuen Italiener in der Altstadt, dem Casa Nuova. Er wusste, dass sie die Italienische Küche liebte. Vor allem aber liebte er die Italienische Küche, und so ganz selbstlos war er eigentlich nie.
Die Einladung war ein Geschenk des Himmels. Seit Tagen, eigentlich Wochen schon, hatte sie sich den Kopf zermartert, wie sie es ihm beibringen sollte. Eine italienische Trattoria bot genau das richtige Ambiente für ihr Anliegen, die romantische Atmosphäre würde das Entsetzen, das ihn ereilen würde, etwas beschwichtigen – hoffte sie.
Sie stellte sich vor, wie sie beim Candlelight-Dinner einander gegenübersäßen, betört vom Duft der hausgemachten Gnocchi, und sah Pauls selbstzufriedenes Grinsen vor sich, das er immer aufsetzte, wenn er vor einem gut gehäuften Teller saß. Das wäre genau der falsche Zeitpunkt, es zur Sprache zu bringen. Auf keinen Fall durfte sie ihm den Appetit verderben. Nahrungszufuhr war ihm heilig.
Diplomatie war geboten. Es kam auf exaktes Timing an. Also frühestens nach dem Essen – wenn der Magen angenehm gefüllt war, eventuell zwischen Hauptgang und Dessert, denn auf das Dessert legte er keinen gesteigerten Wert. Keinesfalls indes vor dem dritten Glas Wein, damit sein Geist jene Leichtigkeit erreicht haben würde, bei dem erotische Signale mehr zählten als nüchterne Fakten. Aber unbedingt, bevor die Rechnung kommen und ihm die Laune wieder vermiesen würde. Apropos, erotische Signale: Was um alles in der Welt sollte sie anziehen? Sie ließ blitzartig das Geschirrtuch fallen und flitzte nach oben ins Schlafzimmer.

Im Kindle-Shop: Urlaub für Anfänger

Mehr über und von Maria Resco auf ihrer Facebook-Seite.



5. Dezember 2016

'Catch the Millionaire' von Lisa Torberg

„Catch the Millionaire“ des Londoner Chronicle stellt die Medienwelt auf den Kopf – und nicht nur die! Die heiratswillligen Bewerberinnen stürzen sich auf den Highland-Millionär Kyle MacLeary wie die Maden auf den Speck. Von der Londoner City in die Schottischen Highlands und wieder zurück: Eine rasante Achterbahnfahrt in die Liebe, bei der ein fehlerhaftes Computerprogramm, Schafe und ein Schloss in den Schottischen Highlands eine Rolle spielen.

Ausgerechnet Gillian, 24, etwas zu klein, etwas zu rund, wird mit der Leitung des Projekts "Catch the Millionaire" betraut. Freudig stürzt sie sich in die Aufgabe, doch schon ihr erster „Fall“ bringt sie mit seinem Wunsch nach einem „intelligenten Topmodel“ und seiner unausstehlichen Art zur Weißglut. Und auch sonst läuft nichts wie es soll. Ihr Nachbar ist der heiße Bad Boy Jayson, der ihre Sinne verwirrt. Als Gillian dann auch noch ein neuer Chef vor die Nase gesetzt wird, kann sie ihren Augen nicht trauen …

Gleich lesen: Catch the Millionaire: Kyle MacLeary. Highland-Millionär sucht intelligentes Topmodel. Heirat nicht ausgeschlossen.

Leseprobe:
Mein Blick gleitet nach oben. Piccadilly Circus ist zwar nicht Times Square, aber die riesigen Werbetafeln sind hier ebenso unübersehbar wie in New York. Ein Mann rammt mir seinen Ellenbogen in die Seite, ein anderer drängt sich mit lautstarkem Gemurmel an mir vorbei. Montag ist tendenziell für die meisten Menschen ein schwarzer Tag, wie man an den mürrisch und unausgeschlafen wirkenden Gesichtern erkennen kann. In den Stationen der Underground sieht keiner den anderen an, alle drängen wie Roboter in die Züge und wieder hinaus. Und je näher der Arbeitsbeginn rückt, umso unsympathischer werden sie. Von der sprichwörtlichen Coolness und Gelassenheit der Londoner ist so gut wie nichts zu spüren. Ich ramme meine Heels in den Boden, um nicht wie ein Punchingball hin und her geschubst zu werden, während ich auf den übergroßen Highlander starre, der mich von der gegenüberliegenden Fassade überheblich angrinst. Catch the Millionaire blinkt es über seinem Kopf mit den vom Wind zerzausten rotblonden Haaren, die bis auf Kinnlänge sein markantes Gesicht umrahmen. Highland-Millionär sucht intelligentes Topmodel. Heirat nicht ausgeschlossen, steht quer über seinem Kilt geschrieben. Und zwar genau dort, wo ein Mann sein bestes Stück hat. Und seines entspricht dem Ausdruck in jeder Hinsicht.
Ich kann die Röte spüren, die mir bei diesem Gedanken in die Wangen schießt. Natürlich habe ich es nicht gesehen, aber als Kyle MacLeary in seinen engen Jeans auf einem der Stühle Platz genommen hatte, die in unserem VIP-Meetingroom stehen, hatte ich einen perfekten Blick auf das, was der schwarze Denim bedeckte. Und das nur, weil der Innenarchitekt, der die Büros des London Chronicle eingerichtet hat, auf Glasplatten steht. Kein Tisch im gesamten Gebäude schirmt das, was darunter ist, vor indiskreten Blicken ab. So konnte ich bei den hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen, wenn die Füße gegen Ende eines langen Arbeitstages anschwollen, niemals die Schuhe abstreifen, um ihnen ein wenig frische Luft­ – und Schmerzlinderung – zukommen zu lassen. Und ich musste in den Endlosmeetings stets darauf achten, meine Knie ladylike zusammenzupressen, so wie die Männer ihre Hände bestenfalls auf ihren Oberschenkeln ablegen, und sie nicht – in vertrauter Geste – auf ihr bestes Stück zu legen. Womit ich wieder bei Kyle MacLeary angelangt war, der von der Hauswand süffisant auf mich herunter grinst.
Und nein. Er hatte sich nicht ein einziges Mal während des Treffens, bei denen ich für meine Chefin Mallory Evans das Profil des heiratswilligen Millionärs erstellte, ebendort berührt. Dafür hatte er mich ständig auf eine unergründliche Art angelächelt, Bemerkungen über graue Katzen und blinde Fledermäuse eingeworfen und mit einem »Tz, tz, tz« den Kopf geschüttelt, als ich nach einem Cookie gegriffen hatte, da der Lunch ausgefallen war. Seine verwaschenen blauen Augen, die weder die Farbe des Himmels noch die des Meeres hatten, waren durch die verdammte Glasplatte des Tisches hindurch auf der sanften Wölbung unter meinem Rockbund gelandet. Keine Rede, dass ich den Keks wie ein brennendes Holzscheit zurück auf den Teller hatte fallen lassen.
Mit einem Seufzer ziehe ich das Handy aus meiner Clutch, hebe es hoch, aktiviere die Kamerafunktion und mache das, wozu ich hierhergekommen bin: Ich fotografiere das Werbeplakat, auf dem in riesengroßen Lettern, zwischen den behaarten Schienbeinen des Schotten aus den Highlands, der mit nur neunundzwanzig Jahren mit Schafwolle und Whisky bereits ein riesiges Vermögen angehäuft hat, der Hashtag #CatchMillionaire und der Weblink des Projekts zu lesen sind.
»Meinst du wirklich, dass ein solcher Mann eine wie dich auch nur ansieht?« Ich höre die hohe, näselnde Stimme, noch bevor sich eine Tussi mit blauschwarzem Kurzhaarschnitt und blutrot bemalten, aufgeblasenen Lippen vor die Kameralinse schiebt. Ich senke das Handy und sehe sie entgeistert an. Mir fehlen die Worte! Mein Mund klappt auf und zu, doch nichts entweicht. Auch keine Luft, wie ich bemerkte, als sie mir zum Atmen fehlt und ich danach schnappe. Die Tussi zielt mittlerweile mit ihrem eigenen Handy auf das überlebensgroße Abbild, schießt ein Foto und stolziert auf ihren ellenlangen Storchenbeinen, die in hautengen schwarzen Leggings in Kindergröße stecken, davon. »Der gehört mir!«, ruft sie mir über die Schulter zu und deutet mit ausgestrecktem Arm auf Kyle. Ihre spitz zugefeilten rot lackierten Fingernägel wirken dabei wie die Krallen eines gefährlichen Raubtiers und die weiten Ärmel ihres durchscheinenden Kurzarmshirts wehen wie Fledermausflügel an ihrem schmalen Oberkörper.
Niemals! MacLeary ist zwar ein überheblicher Kerl, der mit seiner süffisanten Art und seinem Aussehen die Derbheit seiner Heimat widerspiegelt, aber so eine künstlich aufgemotzte Barbie an seiner Seite ist undenkbar. Obwohl ... Ein leises Lächeln umspielt meine Mundwinkel. Sollte sie sich melden – und ich gehe davon aus, dass sie es tun wird –, werde ich sie in den Kreis der drei Erlesenen hineinschmuggeln, die alle gemeinsam einen Tag mit ihm verbringen werden. Und dann werde ich mich im Hintergrund amüsieren, wenn sie und die anderen um die Gunst von Kyle buhlen und ihm dabei gehörig einheizen werden. Besser noch: Sie sollen ihn zur Weißglut bringen!
Aber zuvor muss ich den ersten Tag mit meinem neuen Chef überstehen, dem ich seit unserem zufälligen – erregenden, heißen, verwirrenden ... – Zusammentreffen erfolgreich ausgewichen war. Auch heute, als ich mit einem Aufatmen feststellte, dass seine Wohnungstür bereits ins Schloss fiel, als ich noch an meinem Kaffee nippte.

Im Kindle-Shop: Catch the Millionaire: Kyle MacLeary. Highland-Millionär sucht intelligentes Topmodel. Heirat nicht ausgeschlossen.

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



1. Dezember 2016

'Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter' von Eva Joachimsen

Was gibt es Schöneres als ausgerechnet Weihnachten die große Liebe zu finden? Oder wenigstens davon zu träumen?

„Glühwein und Weihnachtsgans“, „Der Pralinenstand“ und zwölf weitere Kurzgeschichten laden dazu ein, sich die Weihnachtszeit mit Schmökern zu versüßen.

Gleich lesen:
Für Kindle: Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter: Liebesgeschichten zur Weihnachtszeit
Für Tolino: Buch bei Thalia




Leseprobe aus "Glühwein und Weihnachtsgans":
Cindy hetzte durch die Stadt. In beiden Händen trug sie volle Plastiktüten. Eine Woche vor Weihnachten und erst jetzt hatte sie Zeit, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Es war zum Verzweifeln. Aber auf der Arbeit gab es so viel zu tun, dass sie jede Menge Überstunden schob. Und wenn sie dann endlich nach Hause ging, war sie viel zu müde, um sich noch durch die Geschäfte zu schieben oder in Ruhe im Internet zu stöbern. Letzten Samstag wollte sie einkaufen, aber nachdem sie ausgeschlafen hatte, stand ihre kleine Schwester vor der Tür.
„Hallo Cindy, ich dachte, du brauchst jemanden, der dich aus deinem Trübsinn reißt.“ Karo war eine spontane Studentin. Ein paar Semester mehr oder weniger regten sie nicht auf. Allerdings musste Cindy ehrlich zugeben, dass Karo ihrer Mutter nicht mehr auf der Tasche lag, sondern sich ihren Unterhalt selbst verdiente. Kein Job war ihr zu schlecht. Weder Babysitter, Kellner, Nachhilfelehrer, Hundesitter noch Verkäufer. Selbst bei der Obsternte hatte sie schon zwischen den Apfelbäumen gestanden. „Lohnt sich überhaupt nicht, davon kann ich ja gerade einmal die Semesterferien überstehen“, meinte sie hinterher.
„Du, ich muss heute unbedingt Weihnachtsgeschenke kaufen“, sagte Cindy und wollte sie schon hinauswerfen.
„Kein Problem. Ich liebe Weihnachtsmärkte.“
Sie hatte nicht übertrieben. Jede Kleinigkeit interessierte sie. Überall blieb sie stehen und spielte mit den ausgestellten Waren. Das Ende vom Lied war, dass Cindy am Abend völlig erledigt war, weil sie von Stand zu Stand geschoben wurden, zwischendurch Glühwein, Krapfen, Bratwurst und gebrannte Mandeln in sich hineingestopft hatten. Dafür hatte sie kein einziges Geschenk besorgt. Schließlich hatte Karo nicht zugelassen, dass sie früh ins Bett gingen, sondern hatte sie auch noch ins Kino und hinterher in die Disko gezerrt.
„Ich bin müde. Ich hatte eine anstrengende Woche.“ Vergeblich. Ihre Argumente hatten ihr nicht geholfen. Gegen ihre kleine Schwester war sie machtlos.
„Wenn ich schon einmal in der Großstadt bin, will ich auch etwas erleben.“ Und weil es in ihrer Universitätsstadt keine großen Kunstausstellungen gab, scheuchte sie Cindy auch noch am Sonntagvormittag aus dem Bett und schleppte sie zu den modernen Malern.
„Du bist überhaupt nicht mehr informiert. Meine Güte, es gibt doch auch ein Leben außerhalb deiner Firma“, klagte sie, während sie von Bild zu Bild schlenderten.
Cindy atmete am Abend auf, als Karo ihren Rucksack packte und wieder verschwand. Sie freute sich fast auf ihr Büro. Trotzdem ging sie die nächsten drei Tage so früh wie möglich ins Bett. Und jetzt hatte sie nur noch sechs Tage Zeit für alles, einschließlich des Gänsebratens, denn Karo und ihre Mutter hatten sich wie gewohnt bei ihr eingeladen. Sie seufzte. Warum fühlte sie sich bloß für die Familie verantwortlich? Sie hatte ihren Vater schließlich nicht mit ständigen Vorwürfen aus dem Haus getrieben. Andererseits hatte sie damals die Rolle des Familienoberhaupts übernommen. Eine viel zu große Verantwortung für eine Sechzehnjährige, aber ihre Mutter war dazu nicht in der Lage gewesen. Und sie hatte auch auf das erhoffte Studium verzichtet, um ihrer Mutter nicht länger zur Last zu fallen.
In Gedanken schob sie sich durch die Menschen, die vor den Weihnachtsbuden standen, ohne auf sie zu achten. Sie wollte in den Fotoladen, der sich ein paar Meter weiter die Straße hinab befand. Überall stieß sie mit ihren breiten Tüten an und kam kaum durch die schmalen Gassen, die die Leute widerwillig bildeten. Sie nahm den rechten Arm vor die Brust und trug jetzt die Taschen vor ihrem Körper, um schmaler zu sein. Plötzlich drehte sich ein Mann um und prallte gegen sie, als sie gerade vorbeiging.
„Aua, können Sie nicht aufpassen?“, fauchte sie. Ihre beige Wolljacke färbte sich dunkelrot vom Glühwein. Entsetzt betrachtete sie ihren Ärmel. Wochenlang hatte sie genau diese Jacke gesucht, und jetzt kippte so ein Depp seinen Wein über das kostbare Stück.
„Oh, entschuldigen Sie, das tut mir leid“, stammelte der Mann. Seine Wangen und seine Nase waren gerötet. Wer weiß, wie viel er schon intus hatte?
„Glühwein sollte man nicht auf der Straße trinken. Hier laufen doch viel zu viele Menschen vorbei.“ Cindy grollte noch immer. Sicher würde der Fleck nicht mehr aus der Jacke gehen. Aber er sollte die Reinigung wenigstens bezahlen.
„Ich komme für den Schaden auf“, sagte der Mann.
„Das will ich auch hoffen. Haben Sie eine Visitenkarte?“, fragte Cindy.
Der Mann griff an seine Brusttasche, doch er trug nur einen Troyer, dann fasste er an seine Gesäßtasche. Aber er zog seine Hand wieder zurück und machte ein bedauerndes Gesicht. „Leider nein, ich bin etwas vorsintflutlich. Haben Sie etwas zum Schreiben?“
Cindy schüttelte ihren Kopf.
„Dann gehen wir am besten in den Laden und ich schreibe es Ihnen auf.“ Er drehte sich weg und verschwand in der Menschenmenge.
Mist, jetzt macht er sich aus dem Staub und ich bleibe auf dem Schaden sitzen, fluchte Cindy. Doch der Mann sprach mit ein paar Bekannten und kam dann wieder auf sie zu.
„Ich musste mich nur noch abmelden, sonst werde ich vermisst“, sagte er und grinste sie kläglich an. „Es tut mir wirklich leid. Ihre schöne Jacke. Sie haben recht, ich werde nie wieder auf der Straße Glühwein trinken.“ Er zog ein großes Stofftaschentuch hervor und rieb heftig auf ihrem Arm herum.
„Aua, wollen Sie mich jetzt auch noch umbringen?“
Erschrocken zog er seine Hand zurück und reichte ihr das Tuch. Hoffentlich war es sauber. Cindy lehnte es ab und zog lieber eine Packung Papiertaschentücher aus der Handtasche.
„Die fusseln doch nur.“ Unbeholfen stand er daneben und sah zu, wie sie den Fleck bearbeitete. „Ich bin haftpflichtversichert“, erklärte er schließlich.
Endlich hörte sie mit dem Reiben auf. Es brachte sowieso nichts. Sie folgte ihm in den Fotoladen. Dort bat er um einen Zettel und einen Stift. Dann schrieb er ihr seinen Namen und die Adresse auf. Er wohnte in ihrem Stadtteil.
„Kann die Reinigung Ihnen die Rechnung schicken?“, fragte Cindy.
„Meinetwegen, aber ich zweifle, dass die eine Rechnung schreiben. Da müssen Sie doch gleich bezahlen. Kann ich Sie nach Hause bringen? Wo wohnen Sie?“
„Ich muss noch ein paar Einkäufe erledigen“, antwortete sie.
„Dabei sind Sie jetzt schon so bepackt.“ Doch nach einem Blick auf ihr Gesicht hielt er den Mund, entschuldigte sich ein weiteres Mal und verabschiedete sich.
Cindy kaufte die kleine Kamera für ihre Mutter und einen Radiowecker für Karo. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hatte sie alles besorgt. Mit einer weiteren Tüte in der Hand lief sie vorsichtig zum Bahnhof. Um jede größere Menschengruppe versuchte sie, einen Bogen zu machen.
Natürlich bekam sie in der S-Bahn keinen Sitzplatz mehr. Ihre Tüten waren ein wirkliches Hindernis. Sie stand im Gang und blockierte alles. Keiner konnte an ihr und ihren Tüten vorbei. Und in das Gepäcknetz passten sie auch nicht mehr, so dick, wie sie waren. Außerdem wäre bei dem Versuch der Inhalt wohl heruntergefallen. Warum gab es auch keine Gepäckabteile in der S-Bahn?
Endlich kam ihre Haltestelle und sie quetschte sich zum Ausgang. Auf der Treppe passierte es dann. Ein Griff riss und der Inhalt rutschte die Treppe zum Bahnsteig hinunter. Sie bückte sich und sammelte die Teile wieder ein. Hoffentlich war alles heil geblieben.

Im Kindle-Shop: Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter: Liebesgeschichten zur Weihnachtszeit
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Eva Joachimsen auf ihrer Website.



30. November 2016

'Meddjn: Tagebuch einer Magierin' von Selena M.

Es ist die Geschichte von Meddjn, einer jungen Lichtgestalterin von dem Zwergplaneten Áneth. Mehr als hundert Jahre sind vergangen, seit die Raumwanderin mit Meddjns Onkel Noál in die andere Welt ging und sie zurückließ. In dieser Zeit lernte das Mädchen bei der Magierin Melhanea alles, was für das weitere Schicksal Keshenjas unumgänglich war. Die Zeit drängte, da Melhanea des langen Lebens überdrüssig, der jungen Lichtgestalterin gerade einmal das Notwendigste beibrachte, um große Zauber zu meistern und sich Hilfe aus der Welt der Raumwanderer holen zu können.

Nur zwei Jahre nach dem Ableben der Meistermagierin steht Meddjn vor ihrer größten Herausforderung. Eine Blutmagierin treibt in den südlichen Gefilden ihr Unwesen und strebt nach Macht und Unterdrückung aller freien Völker. Die Situation scheint aussichtslos, und nur mit Hilfe einiger Gefährten macht sich die junge Magierin auf in den Süden, um ihrer Gegnerin die Stirn zu bieten. Ein Abenteuer beginnt, in der Magie und Fähigkeiten ebenso gefordert werden, wie die Freundschaft und Liebe, die sich unter den unterschiedlichen Gefährten zu entwickeln beginnt.

Mit Meddjn, Tagebuch einer Magierin, entstand ein Fortsetzungsroman von 'Der Raumwanderin', der in diesem Fall von Meddjn erzählt wird. Doch im Gegensatz zu Noál, dessen Ausdruck immer etwas verträumt wirkt, berichtet Meddjn über ihr Abenteuer in einem etwas lebhafteren Stil, was ihrem jüngeren Alter entspricht. Aus dem wissbegierigen, fröhlichen Mädchen ist eine junge, ernsthafte Frau geworden, deren Ausbildung zur Magierin in zu kurzer Zeit absolviert worden war. Einige kleinere Missgeschicke bleiben nicht aus, wobei es gerade diese sind, die sie nach so vielen Jahren zu der Liebe führt, nach der sie sich insgeheim schon seit langem gesehnt hat.

Gleich lesen: Meddjn: Tagebuch einer Magierin

Leseprobe:
Die letzten Worte hatte ich mit jenem finsteren Blick in seine Richtung gesprochen, dass sich der junge Re~Heresh wortlos in seinen Stuhl sinken ließ. Grimmig ließ ich meinen Blick von einem zum anderen wandern. Ein jeder der Ratsmitglieder ahnte, dass sich mit meinem ersten offiziellen Auftritt die Dinge von nun an ändern würden. Außer Manael und Travnéel, die mir beide anerkennend zunickten.
Vor allem Travnéel, der Majieanáll gegenüber saß, nutzte meine letzten Worte, um seinem Konkurrenten einen frostigen Blick zuzuwerfen:
„Es ist wahr. Wir brauchen eine Magierin. Die Mornothma handeln nicht eigenmächtig, sondern werden von einer dunklen Macht gelenkt, die Blutzauber wirkt. Ein Heer, wie es dazumal gegen die Enedeth gelenkt wurde, wird uns jetzt nicht ausreichen. Noch wissen wir nicht, wie erstarkt die dunkle Macht ist, und womöglich werden selbst Meddjns Kräfte allein nicht ausreichen. - Meine Frage an Euch lautet, Meisterin der Magie, werdet Ihr Euch der Gefahr stellen, oder gibt es einen anderen, einen weniger risikoreichen Plan, wie wir der Bedrohung trotzen können.“
Ich atmete tief durch. Damit war meine schlimmste Befürchtung ausgesprochen, und sie gefiel mir jetzt in diesem Moment noch weit weniger, als es noch vor einigen Tagen der Fall gewesen war.
„Ich werde gehen. Es gibt niemanden in ganz Keshenja, der diese Aufgabe für mich übernehmen könnte. Ich muss mit meinen eigenen Augen sehen, was an der Grenze der Orvallesh vor sich geht, um Näheres zu erfahren und um mich vorzubereiten. Die Morquall Narddmona hat sich erhoben, und sie ist durch und durch böse. Doch ich weiß nicht, welche Zauber sie webt und wie stark ihre Macht ist. Dies gilt es herauszufinden, und um ihre Magie zu verstehen, muss ich sie erfühlen. - Gibt es hier jemanden, der dies außer mir vermag? Dann sprecht, denn ich bin nicht gerade erpicht darauf, mich in den Süden zu begeben, um dort dunkler Magie gegenüberzustehen.“
Ratlose Gesichter! Niemand sprach. Niemand wusste, wie man eine Blutmagierin besiegen konnte, von der man nicht einmal wusste, wie mächtig sie sein mochte.
Ich bemerkte, wie Vehalladan seinen Mund grübelnd verzog, dann trat er neben Farred an den Tisch:
„Ich gehe mit dir, Meddjn. Du brauchst einen Krieger, und du brauchst ein gutes Schwert. Ich kann dir beides bieten.“
Überrascht von dem Angebot klappte mein Mund auf. Damit hatte ich nicht gerechnet. Zwar hatte ich Vehalladan in guter Erinnerung von der Stadt der Lichter, aber allzu viel Umgang während meiner Ausbildung hatten wir keinen gepflegt. Allerdings hielt mich das nicht davon ab, Vehalladans Angebot anzunehmen. Diesen Luxus konnte ich mir in meiner Situation nicht leisten. Gerade wollte ich einen Schritt vortreten, als eine mir nur allzu vertraute Stimme von anderem Ende des Tisches aus zurief:
„Ich bitte ebenfalls darum, Euch begleiten zu dürfen, MeddjnShijien. Für solch eine Reise braucht es einen kühlen Verstand, sowie ich davon überzeugt bin, Euch in dem einen oder anderen unterstützen zu können.“
„Herr Travnéel,“ erhob sich sofort seine Sitznachbarin, die dem Volk der Meister der Gesteine angehörte und deren Namen mir nicht geläufig war, “Ihr seid ein Mitglied des Hohen Rates. Ihr könnt nicht einfach gehen. Ihr werdet hier gebraucht.“
„Tu ich das?“ lächelte Travnéel überheblich, “wie viele Che~Oshán leben in Nathnáal, die meiner Hilfe bedürfen? Wie viele leben überhaupt unterhalb des Grenzgebirges zum hohen Norden? Fünfzig? Hundert? Sie werden ohne mich auskommen, bis ich zurück bin. Und ich werde zurückkommen. Meine Entscheidung steht fest.“
„Was will ein Che~Oshán in der Wüste schon ausrichten?“ grinste Majieanáll von den Re~Heresh quer über den Tisch, “den Sand zu Eis gefrieren lassen, damit die Gegner auf dem glatten Boden ausrutschen?“
Travnéel überging den offensichtlichen Spott mit einem laschen Achselzucken. Seine undurchdringliche Miene war zu einer Maske aus kalter Selbstsicherheit gefroren:
„Wenn es sein muss? Ihr wisst zu wenig über die Che~Oshán, Herr Majieanáll, so, wie Ihr zu wenig über mich wisst. Ihr wisst überhaupt viel zu wenig.“

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